Blick in die Massacre Cave

Massacre Cave auf Eigg – Teil 3

Der Massenmord in der St. Francis Cave auf Eigg, die seither „Massacre Cave“ genannt wird, hat uns in diesem Blog bereits zwei mal beschäftigt:

Im dritten Teil geht es um die Folgen der Mordtat, um Rache und um die Spuren, die das Massaker auf der Insel hinterlassen hat.

Die Knochenjäger

Über das, was sich bis ca. 1854 in der Massacre Cave finden ließ, gibt mehrere schriftliche Berichte. Der schottische Aristokrat und Schriftsteller James Boswell schreibt über die Höhle 1773, sein berühmter Kollege Sir Walter Scott 1814 und Hugh Miller 1845. Alle drei berichten von menschlichen Überresten.

The Journals of James Boswell: 1762-1795

Boswells Buch ist im Original Online nicht vollständig zu lesen – aber es gibt hierzu ein Reprint unter anderem Namen:  „Boswells Journal Of A Tour To The Hebrides“ von Samuel Johnson, The Viking Press, New York, 1936. Boswell erzählt darin von einer Segeltour mit Freunden im Oktober 1773, die ihn an die Küste der Isle of Eigg bringt. Vom Meer aus kann er einen Blick auf die Massacre Cave erhaschen, doch leider können sie wegen des schlechten Wetters nicht anlanden. Boswell selbst hat also die Massacre Cave nie betreten.

Immerhin haben Boswells Begleiter die Höhle von innen gesehen und Boswell gibt deren Berichte wieder:

I regretted that we passed the island of Eigg, where there is a very large cave in which all the inhabitants were smoked to death by the MacLeods. […] Young Coll told us he has been in the cave, and seen great quantities of bones in it; and he said one can still observe where families have died, as big bones and small, those of a man and wife and children, are found lying together. […] It is said that 395 people died in the cave.

Der Bericht von Walter Scott

In seinem Buch The Poetical Works of Sir Walter Scott (Edinburgh, 1822, Seite 355 f.) beschreibt Sir Walter Scott seine erste Besichtigung der Massacre Cave:

26 August 1814.  […] This noted cave has a very narrow opening, through which one can hardly creep on his knees and hands. It rises steep and lofty within, and runs into the bowels of the rock to the depth of 255 measured feet: the height at the entrance may be about three feet, but rises within to eighteen or twenty, and the breadth may vary in the same proportion. The rude and stony bottom of this cave is strewed with the bones of men, women, and children, the sad relics of the ancient inhabitants of the island, 200 in number, who were slain on the following occasion: [here Scott provides a lengthy synopsis of the event] I brought off, in spite of the prejudice of our sailors, a skull from among the numerous specimens of mortality which the cave afforded.

Auf dem groben, steinigen Boden dieser Höhle liegen verstreut die Gebeine von Männern, Frauen und Kindern, die traurigen Überreste der einstigen Bewohner der Insel, 200 an der Zahl.

Auf Walter Scotts Bericht hin, setzt ein makaberer Tourismus zur Isle of Eigg ein, bei dem das Sammeln von Totenschädeln als Souvenir in Mode gerät.

Blick in die Massacre Cave

Überall liegen Knochenhaufen in kleinen Gruppen zusammen. Sie sind von einem bräunlich, irdenen Farbton, hier und da grün eingefärbt; die Schädel, abgesehen von ein paar Fragmenten, sind verschwunden…

The Cruise of the Betsey

Miller schreibt in „The Cruise of the Betsey“ (Seite 36 ff.), er habe in der Massacre Cave Knochen von Erwachsenen und und Kindern in familienartigen Gruppen neben den Überresten ihrer Strohmatten und verschiedener Haushaltsobjekte gefunden. Nach seiner Schilderung seien die sterblichen Überreste später (bis 1854) in „heiliger Erde“ beigesetzt worden.

At almost every step we came upon heaps of human bones grouped together […] They are of a brownish, earthy hue, here and there tinged with green..

Miller berichtet, dass beinahe sämtliche Schädel fehlen – Reisende hätten diese als Souvenir mitgenommen. Ein Schädel von Eigg befände sich in einem Museum in Abbotsford. (Anm.: Ein weiterer Schädel aus der Massacre Cave soll sich seit 1979 im Birmingham Museum befinden.)

We find, too, further marks of visitors in the single bones separated from the heaps and scattered over the area; but enough still remains to show, in the general disposition of the remains, that the hapless islanders died under the walls in families, each little group separated by a few feet from the others.

Miller selbst bringt aus der Höhle eine Reihe von Gegenständen zurück nach Edinburgh, die er blumig beschreibt. Später geht er noch auf das Problem mit der Datierung des Massakers ein, da in diesem Teil der Hebriden erst sehr spät schriftliche Aufzeichnungen gemacht wurden und sehr viel Wissen auf mündlicher Überlieferung beruhte. Sehr interessant ist allerdings, dass er von einem Seemann berichtet, der in der Massacre Cave eine Kupfermünze aus der Zeit von Maria Stuart gefunden haben will. Diese lebte von 1542 bis 1587, was die Datierung von 1577 wahrscheinlich macht und der Datierung von R.C. Macleod, der ca. 1510 vermutet (siehe Teil 2), widerspricht. Es gibt allerdings gute Gründe, der Datierung von Macleod zu folgen.

Folgen des Massakers

Die MacDonalds wären keine echten Schotten gewesen, hätten sie das Massaker von Eigg ungesühnt gelassen. Es folgte ein Gegenschlag, auf den ein weiterer Gegenschlag folgte, auf den (da bin ich mir sicher) wieder ein Racheakt folgte, der ebenfalls sicher nicht ungesühnt blieb.

Boswell schreibt:

In the following year a band of the Macdonalds of Clan Ranald, to which the Macdonalds of Eigg belonged, landed on Skye at Waternish, seeking vengeance. They set fire to a church at the time of worship and made other depredations, but were finally captured and slaughtered by the MacLeods.

Etwas ausführlicher wird George Eyre-Todd in „The Highland clans of Scotland; their history and traditions„:

Als Rache für das Massaker von Eigg, landete ein Trupp von MacDonalds aus Uist bei Ardmore, wo sich eine große Gruppe MacLeods zum Sonntagsgottesdient in der Kirche von Trumpan eingefunden hatte. Sie setzten das Gotteshaus in Brand und brannten es, gemeinsam mit allen Menschen darin nieder. Nur eine alte Frau konnte durch eines der Fenster fliehen. [..] Nach dem Attentat liefen die MacDonalds zu ihren Booten, doch wegen der Ebbe lagen diese hoch oben am Strand. Während sie versuchten, die schweren Boote zurück ins Meer zu schieben, griff ein Trupp von MacLeods an und metzelte jeden Einzelnen der MacDonalds nieder.

Die Leichen der MacDonalds werden an einem Deich nebeneinandergelegt und so hoch mit Torf bedeckt, bis sie Teil des Deiches werden. Daher wird die Schlacht „Blar Milleadh Garaidh, the Battle of the Spoiling of the Dyke“ genannt. Noch hundert Jahre später soll man die Rippen der MacDonalds aus dem Deich haben ragen sehen. Es folgen noch eine Reihe von Bluttaten zwischen den Clans.

1601 treten die MacLeods und MacDonalds das letzte mal gegeneinader an. Die Schlacht von Coire Na Creiche endet mit einer bitteren Niederlage für die MacLeods.

Das Grab von Alasdair Crotach MacLeod

Alasdair Crotach, jener Clanchef der MacLeods, der das Massaker auf Eigg anordnete, ließ sich noch zu Lebzeiten ein Grabmal in der St Clement’s Church auf Harris bauen. Dieses gilt heute als eines der prächtigsten mittelalterlichen Wandgräber Schottlands.

Der Tod von Alasdair Crotach wirft allerdings wiederum die Frage nach der Datierung des Massakers von Eigg auf, denn Crotach starb 1547. Dies spricht nun wieder für die Datierung von R.C. Macleod, der das Massaker um 1510 vermutet.

Fazit:

Weder über den Zeitpunkt, noch über die tatsächlichen Opferzahlen herrscht Klarheit. Leider konnte ich auch nicht ermitteln wann und wo die sterblichen Überreste der Opfer beigesetzt wurden. Ich selbst war mit 10 Jahren um 1985 einmal in der Höhle. Zu sehen gab es, so weit ich mich erinnere, nichts spannendes – aber bis heute glaube ich fest daran, dass die Wände rußig waren..

2 Gedanken zu „Massacre Cave auf Eigg – Teil 3

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