Blick aus der Massacre Cave zum Meer

Massacre Cave auf Eigg – Teil 2

In einem früheren Artikel hatte ich ja bereits die schaurige Geschichte von der Massacre Cave auf der Isle of Eigg erzählt in welcher 200 oder 400 Menschen ermordet worden sein sollen. Das war allerdings nur jene Version, die ich mit 12 Jahren zum ersten mal gehört hatte. Weil mich die Geschichte seither verfolgt, hab ich jetzt mal verschiedene Quellen durchstöbert und einige Informationen zusammengetragen.

In Teil 2 geht es um verschiedene Schilderungen der Gräueltat in der Massacre Cave.

Hintergrundinformation – Die Clankriege und Eigg

Während des gesamten Mittelalters herrschten in Schottland bürgerkriegsähnliche Zustände: Das ganze Land war beherscht von konkurrierenden Clans, die sich erbittert bekämpften. Ursprünglich waren die Clans entstanden um gemeinsam für die Unabhängigkeit Schottlands von jeglicher Fremdherrschaft einzutreten. Kaum war der äußere Feind um 1314 besiegt, begannen die Clans sich gegenseitig zu bekämpfen. Es folgten eine Reihe, teilweise Jahrhunderte andauernder Clankriege. Einer der großen Kriege wurde geführt zwischen den MacLeods und den MacDonalds (= Clanranald) und dauerte von 1375 bis 1602!

Hintergrund der Stammeskriege waren Landbesitz und Herrschaftsanspruch im westlichen Schottland. 1375 besetzten die MacDonalds weite Teile der Isles of Skye – dem traditionellen Stammesgebiet der McLeods und legten so den Grundstein für den Jahrhunderte währenden Krieg.

Eigg gehörte zum Clan der MacDonalds, was der Insel des öfteren schlecht bekommen sollte – letztmals bei den Jakobitenaufständen, in deren Folge etliche Männer der Insel als Sklaven in die Karibik verschifft wurden. Zum Zeitpunkt des Massakers von Eigg (zwischen 1500 und 1577) waren beide Gruppen bereits über Generationen verfeindet und hatten sich gegenseitig unzählige Gräueltaten angetan.

Auslöser des Massakers

Es gibt eine ganze Reihe von Versionen der Geschichte der Massacre Cave und davon, wie es zu dem Massaker kam. In einer Version heißt es, Männer des MacLeod Clans hätten junge Mädchen überfallen, die auf Castle Island (das direkt vor Eigg liegt) Schafe hüteten. In einer anderen Version wird berichtet, dass eine Gruppe von McLeods nach einer Irrfahrt auf Eigg gelandet waren und dort zunächst in aller Gastfreundschaft aufgenommen worden wurden. Im Laufe des Abends jedoch sollen sich die MacLeod Männer den jungen Damen von Eigg in unanständiger Form genähert haben, wodurch sie sich den Zorn der Inselbewohner zuzogen.

In allen Fällen endet es jedoch damit, dass die Männer der MacLeods gefesselt und zum sterben auf einem Floß oder Schiff im Minch (der Meerenge zwischen dem schottischen Festland und den Hebriden) ausgesetzt werden. In einer drastischen Version geschieht dies nicht ohne die vorherige Entmannung der Delinquenten.

Blick aus der Massacre Cave zum Meer

Nur etwa 60 Centimeter hoch ist der Eingang zur Höhle. Sieben Meter weit muss man auf Knien in das Innere robben, bis sich die Höhle zu einem großen Raum erweitert.

Schriftliche Quellen

A history of the Scottish Highlands

In „A history of the Scottish Highlands, Highland clans and Highland regiments„, Edinburgh 1875, Hrsg. John S. Keltie heißt es kurz:

Towards the close of the 16th century, a small number of Macleods accidentally landed on the island of Eigg, and were hospitably received by the inhabitants. Offering, however, some incivilities to the young women of the island, they were, by the male relatives of the latter, bound hand and foot, thrown into a boat, and sent adrift. Being met and rescued by a party of their own clansmen, they were brought to Dunvegan, the residence of their chief, to whom they told their story. Instantly manning his galleys, Macleod hastened to Eigg. On descrying his approach, the islanders, with their wives and children, to the number of 200 persons, took refuge in a large cave, situated in a retired and secret place. Here for two days they remained undiscovered, but having unfortunately sent out a scout to see if the Macleods were gone, their retreat was detected, but they refused to surrender. A stream of water fell over the entrance to the cave, and partly concealed it. This Macleod caused to be turned from its course, and then ordered all the wood and other combustibles which could be found to be piled up around its mouth, and set fire to, when all within the cave were suffocated.

The Macleods of Dunvegan

Einen detaillierteren Bericht zur Massacre Cave liefert „The Macleods of Dunvegan from the time of Leod to the end of the seventeenth century„, Edinburgh 1927, von by R.C. Macleod ab Seite 76.

Er beschreibt, dass eine Gruppe von etwa 40 Mann des MacLeod Clans durch einen Sturm gezwungen sind auf Eigg zu übernachten. In ihrer Not schlachten sie einige Kühe. In der Nacht werden sie von den Inselbewohnern überfallen.

The islanders suddenly came upon them, cut off MacCaskill’s ears, and otherwise most barbarously treated the MacLeods.

Der Anführer MacCaskill und zwei weitere Männer werden gefesselt und auf dem Meer ausgesetzt, die übrige Mannschaft wird ermordet. Wie durch ein Wunder wird das auf dem Meer treibende Boot entdeckt und die drei Männer gerettet. Alastair Crottach, der Clanchef der MacLeods schwört Rache:

Der Clanchef schwor, dass er seine Kleidung nicht eher wechseln werde, als dass er jede einzelne Seele auf Eigg, Rum und Canna zum Tode befördert habe. Er ließ sechs große Schiffe bereit machen und setzte Segel in Richtung Eigg, begleitet von seinem Sohn William und einigen Hundert bewaffneten Clanmännern.

Dann folgt der bekannte Teil: Die Insulaner (aller drei Inseln!) verstecken sich in der „Höhle des St.Francis“ auf Eigg und werden nach drei Tagen entdeckt. In der Höhle, die erst später den Namen „Massacre Cave“ erhält, befindet sich auch ein Mann namens Eiggach, der einem der MacLeods bei einer früheren Gelegenheit zur Seite stand. Ihm wird zunächst angeboten, sein Leben und das seiner Familie zu verschonen, doch William Crotach, der Sohn des Clanchefs besteht darauf, das alle sterben sollen.

An dieser Stelle kommt die alte Frau ins Spiel, die ich bereits im ersten Post zur Massacre Cave erwähnt habe und die den Überfall als einzige überlebt: Sie spricht einen Fluch aus, welcher besagt, dass alle Nachfahren der MacLeods verkrüppelt geboren werden sollen. Der Autor (selbst ein Nachfahre der MacLeods) bestätigt, dass viele MacLeods, ihn selbst eingeschlossen, krumme oder verbogene Finger haben und man dies auf den Fluch zurückführt!

Im Anschluss an diese Nebenhandlung springt Autor R.C. Macleod wieder zurück an den Höhleneingang. Sein Urahn, der Clanchef Alastair Crottach schließt einen Handel mit Gott: Er werde sechs Stunden im Gebet verbringen. Sollte der Wind dann von der Höhle fort aufs offene Meer wehen, würde er die Menschen verschonen. Sollte der Wind jedoch zur Höhle hinblasen, würde er das Feuer entfachen. Als er mit dem Gebet fertig ist, weht der Wind in Richtung Höhleneingang.

Alastair Crottach nimmt dies als himmlisches Zeichen. Ganz wohl scheint er sich bei dem kommenden Massenmord jedoch nicht zu fühlen: Er besteigt eines der Schiffe und segelt zurück nach Skye auf den Stammsitz auf Dunvegan Castle. Das Entfachen des Feuers überlässt er seinem Sohn William.

William ließ alles Brennbare zusammentragen, stapelte es am Höhleneingang und setzte es in Brand. Der Rauch setzte dem Leid der 395 MacDonalds in der Höhle ein schnelles Ende. Die Knochen der Opfer liegen noch immer dort, wo sie starben. William MacLeod trug für alle Zeiten den Namen William na h’Uamha, William von der Höhle.

Historisch interessant wird es nochmal am Ende des Berichts, wo der Autor die Datierung des Massakers in Frage stellt. Seiner Meinung nach wurde hier eine alte Geschichte umdatiert „it in order to impress the King“. R.C. Macleod schätzt, dass das Massaker eher um 1500 oder 1520 angerichtet wurde. (Ich werde darauf im dritten Teil nochmal zurückkommen.)

The Highland clans of Scotland; their history and traditions (1923)

Die Massacre Cave findet auch im Buch „The Highland clans of Scotland; their history and traditions“ von George Eyre-Todd, New York, 1923 Erwähnung:

Sie verlangten, dass diejenigen, die ihre Männer auf das Floß geschickt hatten, zur Bestrafung herausgegeben werden. Als sich die Insulaner weigerten, befahl MacLeod seinen Leuten trockenes Gras und Holz zu sammeln. Dieses wurde am Höhleneingang zu einem Haufen gestapelt und angezündet. Dann ließ man das Feuer brennen, bis alles Leben in der Höhle am Rauch erstickt war.

Ich kann mir allerdings nicht wirklich vorstellen, dass 200 Insulaner das Angebot mit heiler Haut davonzukommen, ausgeschlagen hätten, weswegen ich bezweifle, dass dieses Angebot jemals unterbreitet wurde.

Über die Folgen des Massakers und darüber, welche Spuren es auf der Insel hinterließ schreibe ich demnächst im 3. Artikel über die Massacre Cave.

3 Gedanken zu „Massacre Cave auf Eigg – Teil 2

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