Der schmale Eingang zur Massacre Cave auf der Isle of Eigg

Massacre Cave auf Eigg – Teil 1

Unter den vielen Geschichten, die sich auf der schottischen Insel Isle of Eigg zugetragen haben sollen, gehört jene der Massacre Cave sicher zu den spektakulärsten. 1577 wurde hier von einem rivalisierenden Clan die gesamte Inselbevölkerung ermordet!

Dies ist die Geschichte der Massacre Cave, die sich so – oder so ähnlich – zugetragen haben soll. Ich beginne einfach mal mit der Geschichte, wie ich sie als Kind gehört habe. Die Hintergründe der Ereignisse an der Massacre Cave und die historische Einordung beschreibe ich in einem späteren Post.

Die Geschichte der Massacre Cave

Das Jahr 1577 sollte sich schmerzhaft in die Geschichte der Insel einbrennen. Lange schon lagen die Bewohner von Eigg mit den Männern des McLeod Clan von den Isles of Skye im Clinch. Gegenseitige Übergriffe war man also gewohnt, doch diesmal gingen die McLeods zu weit.

Gewalttat auf Castle Island

Nur einen Steinwurf von Eigg entfernt, getrennt durch den schmalen Hafenkanal, liegt Castle Island. Früher wie heute weideten auf der winzigen Insel Schafe und Kühe. Die einzigen menschlichen Bewohner waren ein paar junge Mädchen, die auf die Tiere aufpassten.

Im Winter 1577 landete hier in der Dämmerung ein Boot mit Männern des MacLeod Clans. Es bedarf nur wenig Phantasie sich auszumalen, was die verfeindeten Stammesmitglieder den Mädchen im Schutze der Nacht antaten. Doch die MacLeods hatten die Rechnung ohne die Wachsamkeit der Männer von Eigg gemacht. Diesen gelang es überzusetzen und die Angreifer zu überwältigen.

Entmannt und ausgesetzt

In „History without the Boring Bits“ beschreibt der Autor Ian Crofton blumig, wie die Angreifer erst entmannt und schließlich zum sterben auf einem Floß ausgesetzt wurden. Doch wie durch ein Wunder wurden die MacLeod Clansleute von der Strömung an Land getragen und gerettet. Nun sann ihr gesamter Clan auf Rache.

Der schmale Eingang zur Massacre Cave auf der Isle of Eigg

Auch heute ist der schmale Eingang zur Massacre Cave nur schwer zu entdecken. Hier wurde 1577 die gesamte Inselbevölkerung ermordet.

Versteckt in der Höhle des St. Francis

Wenige Tage später landete eine Hundertschaft von McLeods auf der Isle of Eigg. Um dem Angriff zu entgehen, versteckten sich die knapp 400 Inselbewohner in der St. Francis Cave an der Südküste der Insel, die auf Gälisch „Uamh Fhraing“ genannt wird. Die Höhle hat einen winzigen, nur schwer zu entdeckenden Eingang, durch den ein erwachsener Mann nur in gebückter Haltung passt. Innen jedoch ist die Höhle 6 Meter hoch, 8 Meter breit und 78 Meter tief. Ein ideales und leicht zu verteidigendes Versteck für eine kleine Dorfgemeinschaft!

Drei Tage und Nächte lang sollen die Männer des McLeod Clan auf der Insel ohne Erfolg nach den Bewohnern gesucht haben. Frustriert bestiegen sie am Morgen des vierten Tages ihre Boote und legten ab.

Das Massaker von Eigg

Nach drei Tagen im kalten Versteck schickten die Insulaner einen Späher aus. Er sollte die Lage sondieren und herausfinden, ob sämtliche McLeods die Isle of Eigg verlassen hatten. Es war der Tag des ersten Schnees. Die Sonne schien. Die Silhouette des jungen Mannes zeichnete sich deutlich gegen die weißen Hänge des An Sgurr, des höchsten Berges der Insel ab. So deutlich, dass die abziehenden Angreifer auf ihren Booten ihn entdeckten. Die Boote wendeten. Durch den frisch gefallenen Schnee waren die Spuren des Spähers leicht zurückzuverfolgen.

Das Versteck in der St.Francis Cave auf Eigg wurde entdeckt. Nun hatten die McLeods leichtes Spiel mit den Inselbewohnern. Sie warteten „günstigen“ Wind ab und entfachten ein Feuer vor der Höhle. Die Höhle füllte sich mit Rauch. Durch den schmalen Eingang wurde das Versteck zur Todesfalle: Wer blieb, erstickte jämmerlich in den Rauchgasen, wer zu fliehen versuchte, wurde vor der Höhle erschlagen.

395 Menschen sollen in der Höhle des St. Francis ermordet worden sein. Nur ein altes Weiblein, das den steilen Abstieg hinunter zur Höhle nicht überstanden hätte und sich auf ihrem Hof versteckt hielt, überlebte die Mordtat.

Seither trägt dieser Ort den Namen Massacre Cave.

Unglaublich? Aber so steht es geschrieben!