Küstenabschnitt von Eigg nahe den Höhlen

Massacre Cave auf Eigg – Teil 4

Nachtrag zur Massacre Cave

Mit ein wenig Abstand noch ein Nachtrag zur Massacre Cave über die ich bereits dreimal geschrieben habe:

Vor ein paar Tagen sind mir wieder zwei Bücher über Eigg untergekommen: „Eigg“ von Judy Urquhart und Eric Ellington (Canongate Verlag, Edinburg, 1987, ISBN: 0862411491) und „Eigg – The Story of an Island“ von Camille Dressler (Polygon, Edinburgh 1998, ISBN: 0748662243). Darin habe ich noch ein paar Informationen zur Massacre Cave gefunden, nach denen ich lange gesucht hatte.

Urquharts Version der Geschichte

Auf Seite 36 beschreibt Judy Urquhart ihre Version der Geschichte, welche die von mir bisher geschilderten Varianten kombiniert. Hier landen die Männer des MacLeod Clan wegen des schlechten Wetters auf Castle Island, wo sie sich an den jungen Schäferinnen vergehen und das Vieh schlachten. Dabei werden Sie von Eigg aus beobachtet und schließlich von den Männern von Eigg überwältigt. Urquhart schildert, dass in einigen Überlieferungen den Angreifern die Hände abgehackt wurden.

Dresslers Version

Camille Dressler geht historisch ziemlich in die Tiefe. Sie beschreibt die sozialen und politischen Verpflichtungen der Clans sehr detailliert, woraus sich das Massaker von Eigg am Ende, fast schon konsequent ergibt. Ihrer Schilderung nach landen die Männer des MacLeod Clan desswegen im Sturm auf Castle Island, weil sie wissen, dass ihnen auf Eigg der Tod droht, denn zuvor war ein Schiff voller Männer des Clanranald (zu deren Clan Eigg gehörte) auf Harris, in den äußeren Hebriden, ebenfalls nach einer Notlandung im Sturm, hingerichtet worden.

Dressler kennt auch die genaue Zahl der Männer, die auf Castle Island anlanden: es sind 36. Alle werden hingerichtet, bis auf die Anführer: Denen bricht man Arme und Beine und setzt sie dann zum sterben in einem Boot ohne Ruder aus.

Laut Dressler löst auch das (eigentlich nicht so große) Rätsel, wo die Knochen der Toten aus der Massacre Cave am Ende beigesetzt werden: Natürlich auf dem Inselfriedhof von Kildonnan!

Reverend Donald MacLean 1788

1788 müssen in der Höhle noch einige Schädel gelegen haben. In TRANSACTIONS OF THE GAELIC SOCIETY OF INVERNESS. VOLUME XXII. 1897-98., Inverness, 1900 schreibt der Inselpfarrer Rev. Donald MacLean:

„In der eingeschlossenen Luft dieser Höhle,sind die Knochen noch immer frisch und einige Schädel ganz erhalten und die Zähne noch in Ihren Fassungen. Ungefähr 40 Schädel wurden vor kurzem gezählt. Möglicherweise wurde eine größere Zahl von ihnen zerstört. Eventuell wurden Sie von Freunden geborgen und in heiliger Erde Beigesetzt.“

Im gleichen Buch findet sich auch eine ausgiebige Kritik am Wahrheitsgehalt der Geschichte. Insbesondere werden logische Fragen diskutiert:

  • Alles, was wir über das Verbrechen wissen können, muss von den MacLeods berichtet worden sein.
  • Es ist unwahrscheinlich, dass die Insulaner auf die „Verschonungsangebote“ der MacLeods nicht eingegangen wären.
  • Die MacLeods konnten nicht wissen, wie viele Personen sich in der Höhle aufhielten.
Küstenabschnitt von Eigg nahe den Höhlen

Auf dem Weg zur Massacre Cave kommt man an diesen beiden Felsen vorbei.

Bericht von James Wilson, 1841

Weiters enthält das Buch einen Hinweis auf „Voyage round the Coasts of Scotland and the Isles„, James Wilson, 1841 erhalten. Der Autor liefert eine unheimliche Beschreibung des Höhleninneren:

„We found the scalp of a little child at the back of a large stone, and between the stone and the cavern side, close to its opening, as if it had been making a vain attempt to creep outwards from the smoke, in ignorance of the clearer though not less deadly breath of “ the lightning of fiery flame.“ Most of the skulls were gone, and what struck us as curious, there were scarcely any teeth lying among the stones. These melancholy remains consist chiefly of the bones of legs and arms, and a good supply of shoulder blades.“

Wilson berichtet davon, dass in seiner Gruppe ein Mann dabei gewesen sei, der in der Höhle eine Münze aus der Zeit von Queen Mary of Scotland (Maria Stuart, 1542 – 1587) gefunden hat. Dies ist offenbar der Mann, von dem Miller in „Cruise of the Betsey“ (Siehe Teil 3) schreibt und dessen Fund die umstrittene Datierung des Massakers auf 1577 bestätigt.

„Während unserer unterirdischen Untersuchungen folgte uns ein wildaussehender Schäferhund bis in die hintersten Winkel der Höhle und ähnelte stark einer Hyäne, wie er so zwischen den verfallenden Knochen herumstreifte und schnüffelte. Es sah tatsächlich beunruhigend aus, was wir friedlichen Menschen dort taten. Die dunklen Schatten der hervorstehenden Felsen, das dämmrige, geheimnisvolle Aussehen des Innenraums, die grellen Lichter, welche die wettergegerbten Formen und Gesichter der uns begleitenden Seemänner aus der Dunkelheit lösten, von denen einige einige aufrecht und mit hocherhobenen Händen ihre flackernden Kerzen hielten, während andere in gebückter Haltung den klammen, schleimigen Boden nach Relikten dieses verhängnisvollen Tages absuchen..“

Die Beisetzung der Toten

Judy Urquhart erwähnt auf Seite 38, dass Lawrence Thompson, der die Insel Eigg 1893 von Dr. Hugh Macpherson erworben hatte (und 1896 auch die Isle of Muck kaufte) die verbleibenden Knochen beisetzen ließ. Allerdings zog er sich dabei den Zorn der Insulaner zu, da er für die einst katholischen Toten einen protestantischen Gottesdienst feiern ließ.

Kleine Anekdoten

Weiter berichtet Judy Urquhart, dass

  • einer der Schädel von Eigg in Abbotsfort ausgestellt worden sei.
  • heutige Besucher in der Höhle nichts als feuchte Düsterniss vorfänden.
  • der Geist der überlebenden alten Dame heute eine bestimmte Brücke („the bridge over the burn“) am Fuße des Kildonnan Hügel heimsuche.
  • Eigg im Anschluß an das Massaker schnell wiederbesiedelt wurde, vermutlich organisiert durch die Leute von Clanranald.

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